ZWISCHEN HIER UND DORT - DIE PRESSE / SPECTRUM

Diesen Ton trifft der Architekt Andreas Heidl – zu Unrecht erst durch seinen Entwurf für den Umbau des Nationalratssaals bekannt geworden – bei Sakralbauten immer. An der Neugestaltung der Aufbahrungshallen und Servicebereiche beim Linzer Stadtfriedhof St. Martin zeigt sich nicht nur Heidls Fähigkeit, funktionelle Ordnung in räumlich-differenzierter Gliederung herzustellen, sondern auch, dass er in der Beschränkung auf wenige, genau gewählte Elemente, Materialien und Farben große atmosphärische Dichte erzeugen kann. Der Architekt macht über Schwellen deutlich, dass man einen Ort der Stille betritt, und lässt dem Besucher Zeit, sich beim Durchschreiten eines Birkenhains darauf einzustellen. Er schafft unterschiedliche Zonen und Stimmungen, indem er dem Zeremoniensaal eine offene Halle für das Versammeln vor dem Begräbnis vorsetzt, die er durch Abstand vom gewachsenen Terrain und vom Hauptbau leichter erscheinen lässt. Ruhe und Gelassenheit des Innenraums erzeugt Heidl mit einheitlichen Oberflächen und Licht- und Farbstimmung. Sollte dahinter eine Symbolik stehen, so lässt sie unterschiedliche Deutungen zu – für mich die Assoziation mit dem Bild des gleichmäßig strahlenden Lichts am Ende eines Tunnels, das eine immer wiederkehrende Nahtoderfahrung beschreibt. ■
Auszug Die Presse Spectrum 5.11.2011 - von Karin Tschavgova - Artikel lesen.... ...mehr

05.11.2011

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